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Editorial CVJM Magazin

Liebe Leserin, lieber Leser,

und dann haben wir gelacht. So richtig lauthals und mit Tränen in den Augen. Darüber, dass nachts eine Nacktschnecke über sein Gesicht gekrochen war und auf seiner Nase eine Schleimspur hinterlassen hatte. Das war Torstens erste Begegnung mit der Wildnis. Oder eher sein erstes stürmisches Date mit ihr. Torsten machte wie ich die Ausbildung zum Erlebnis- und Wildnispädagogen am Erlebnispädagogischen Institut in Kassel. Zur Ausbildung gehörte auch das Biwak, also das Lager in freier Natur. Eine Woche im Wald mit Schlafsack, nur geschützt von einer Plane, die den Regen abhalten sollte – das war meilenweit entfernt von meiner Komfortzone.

 

Die Erlebnispädagogik macht genau das: Sie schiebt dich mal sachte, mal stößt und schubst sie dich über deine gewohnten Grenzen hinaus. Sie fördert Dinge über dich zu Tage, die du niemals geahnt hättest. Sie offenbart dir sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen. Und sie stärkt Beziehungen, weil du näher zusammenrücken und gemeinsam aktiv werden musst, wenn kein gefüllter Kühlschrank, keine Toilette und kein kuscheliges Bett um die Ecke warten.

 

Die Erlebnispädagogik ist eine Riesenchance. Sie weitet unser Sichtfeld, hilft dabei,

über den Alltag hinaus auf das Wesentliche und Grundsätzliche zu schauen – eben

weil sie es so erleb- und greifbar macht. Wir Christen verknüpfen unsere Erlebnisse mit Gott. Ich weiß, dass diese eine Woche im Wald mich in meinem Glauben bestärkt hat. Andere, die der Kirche eher fernstehen, brachte diese Erfahrung zum Nachdenken über die großen Fragen des Lebens. Und darum geht’s doch: Mehr erleben, mehr über sich selbst, andere, über Gott und die Welt erfahren – das möchte das CVJM-Ostwerk jungen Menschen ermöglichen. Mit dem »CVJM-Outdoor Guide« können sie jetzt die christliche Erlebnispädagogik entdecken. Warum die neue Fortbildung auch für dich interessant sein kann, erfährst du auf Seite 16.

 

Einer, der nicht nur unsere erlebnispädagogischen Angebote, sondern unsere gesamte Kinder- und Jugendarbeit geprägt und unsere Ortsvereine in Berlin und Brandenburg begleitet hat, verlässt das CVJM-Ostwerk. Warum er geht, verrät Andreas Lindauer auf Seite 17. Wir können gar nicht genug Danke sagen. Danke, danke, danke für all die Augenblicke, in denen sich junge Menschen, Mitarbeitende und Kollegen durch dich wertgeschätzt gefühlt haben.

 

Neues zu wagen gehört zum Leben dazu. Ebenso wie die alten ausgetretenen Wege zu verlassen. Torsten, der Mann, den nachts eine Nacktschnecke geküsst hatte, verlor übrigens kurze Zeit später seinen Job und erfand sich dann bei einem neuen Arbeitgeber völlig neu. Manchmal braucht es eben einen kleinen Schubs und ein wenig Vertrauen, dass Dinge, die wir noch nie probiert haben, gut gehen.

 

In diesem Sinne wünsche ich dir eine spannende und erlebnisreiche

Zeit beim Lesen! Bleib behütet…


 

Andree Strötker

Andree Strötker leitet das CVJM-Ostwerk.
Andree Strötker leitet das CVJM-Ostwerk.