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Unsere Geschichte

Vom Östlichen Jünglingsbund zum CVJM-Ostwerk

Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in den deutschen Staaten erste Jünglingsvereine. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit lagen die soziale Unterstützung und geistliche Begleitung der jungen Männer, die auf der hoffnungsvollen Suche nach Arbeit und Auskommen zu Tausenden in die rasch anwachsenden industriellen Ballungszentren strömten. Ihre Erwartungen zerbrachen jedoch schnell: die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren miserabel und die Lebensqualität in den Industrievierteln erbärmlich. Die Jünglingsvereine richteten daher in den Unterkünften der Gesellen, den „Herbergen zur Heimat“, sogenannte Pilgerstübchen ein, in denen sie Literatur und Zeitungen zur Verfügung stellten, gemeinsame Freizeitangebote organisierten und mit durchreisenden Bundesbrüdern Andachten und Bibelstunden ausrichteten.

Bibelstunde im Quedlinburger Jünglingsverein.
Bibelstunde im Quedlinburger Jünglingsverein.

Christliches Herbergswesen

Am 28. Januar 1856 gründeten die Jünglingsvereine aus Berlin, Brandenburg, Frankfurt/O., Genthin, Halle, Prenzlau, Rathenow, Wernigerode und Ziesar als überregionalen Zusammenschluss den Östlichen Jünglingsbund. Seine satzungsgemäßen Aufgaben lagen neben der Vernetzung der einzelnen Ortsvereine und der Neugründung sowie Begleitung der bestehenden Gruppen auch in der Förderung des christlichen Herbergswesens. Den von Stadt zu Stadt wandernden Gesellen und Lehrlingen sollte der Bund als zentrale Anlaufstelle dienen. Der ab Februar 1859 erscheinende, für Vereinsmitglieder konzipierte „Bundesbote“ griff die enge Verknüpfung zwischen Jünglingsbund und Herbergen auf: Das Titelblatt zeigt einen jungen Mann, der von Jesus als Herbergsvater herzlich begrüßt wird. Die Zahl der Mitgliedsvereine stieg schnell, schon das erste Bundesfest 1856 im Potsdamer Park Sanssouci zählte über 1.000 Teilnehmer.

 

Doch durch die wachsenden Aufgabenbereiche des Bunds hatte sich die inhaltliche Arbeit im Lauf der Zeit beträchtlich gesteigert: Die erforderliche Anstellung eines ersten Bundesagenten 1874 brachte dem Ostbund zugleich in finanzielle Engpässe, zumal die Ortsvereine immer mehr Mitglieder an die sich neu formierende sozialdemokratische Arbeiterbewegung verloren. Manche sympathisierten sogar mit der Idee, die Jünglingsvereine in christlich-soziale Arbeitervereine umzuwandeln. Etliche Gruppen lösten sich auf, die Herbergsarbeit stagnierte.

Die zweite Ausgabe des Bundesboten (1859).
Die zweite Ausgabe des Bundesboten (1859).

Posaunenchöre, Theater- und Sportgruppen

Diese Auseinandersetzungen führten zu strukturellen Veränderung und inhaltlicher Neuorientierung des Ostbunds: Unter dem Vorsitz Otto von Rankes sprach sich der Bund ausdrücklich für die kirchliche Arbeit aus, der erst in zweiter Priorität das soziale Engagement folgen sollte. Neue Tätigkeitsfelder rückten in den Mittelpunkt: Neben klassischen Bibelstunden entstanden Posaunenchöre, Theater- und Sportgruppen. Die unterschiedlichen Freizeitangebote sollten nunmehr auch Knaben und Jugendliche ansprechen. Aufgrund der großen Ausdehnung des Bundesgebiets trennten sich der Norddeutsche Jünglingsbund (1880) und der Südöstliche evangelische Männer- und Jünglingsbund (1887) vom Ostbund, der 1894 das Haus in der Sophienstraße 19 erwarb. Zu seinem 50-jährigen Jubiläum 1906 verzeichnete er 499 Mitgliedervereine, darunter 11 CVJM. Mit Ausnahme der CVJM sind die Jünglingsvereine größtenteils Gemeindevereine mit engem Anschluss an die jeweilige evangelische Ortskirche.

 

Unterdessen entwickelte sich durch Änderungen in der Wehrgesetzgebung Ende des 19. Jahrhunderts als weiterer zentraler Arbeitsbereich die Soldatenfürsorge. Wie andere Jünglingsbünde eröffnete der Ostbund in den größeren Garnisonstädten Soldatenheime, die den Soldaten zur dienstfreien Zeit, an Wochenenden und Feiertagen neben Andachten und Bibelstunden unterschiedliche Freizeitangebote ermöglichten – angefangen von gemeinsamen Unternehmungen bis hin zu Lichtbildvorträgen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs unterhielt der Ostdeutsche Jünglingsbund eine große Anzahl solcher Heime, von denen das in Döberitz das Bedeutendste war. Während der Kampfhandlungen ruhte allerdings die Bundesarbeit weitgehend. Die größte Zahl der Mitglieder und Mitarbeiter stand im Heeresdienst, die Bundesfeste sagte der Vorstand ab.

Das Bundeshaus in der Sophienstraße 19 (um 1900).
Das Bundeshaus in der Sophienstraße 19 (um 1900).
Blick in das Soldatenheim in Zossen (um 1917)
Blick in das Soldatenheim in Zossen (um 1917)